Multikulti kann funktionieren - Studenten Umzugshilfe

Multikulti kann funktionieren

Ziehen Sie in einen Stadtteil, in dem viele Nachbarn einen Migrationshintergrund haben. Haben Sie vielleicht bald Nachbarn, die selbst oder deren Eltern oder Großeltern aus anderen Ländern und Kulturen eingewandert sind. Vielleicht in Berlin-Neukölln, auf der Hamburger Veddel, in Duisburg-Marxloh oder in vielen anderen Vierteln deutscher Städte mit einem hohen Anteil von Bürgern mit ausländischem Hintergrund. Dann genießen Sie hoffentlich das internationale Flair, die türkische, arabische oder nordafrikanische Küche, die vielen kleinen Obst- und Gemüseläden und ein Straßenbild, das manchmal ein bisschen an ferne Länder erinnert? Häufig sind in diesen Vierteln Menschen mit Migrationshintergrund ein wichtiger Teil der Mittelschicht: Sie sind Angestellte oder Arbeiter, betreiben kleine Dienstleistungsbetriebe oder große Firmen, schaffen Arbeits- oder Ausbildungsplätze.

Ganz klar – Toleranz und Integration sind nicht immer einfache Themen

Ein politisches Statement oder eine fundierte Erörterung sind an dieser Stelle nicht möglich. Aber klar ist, dass beim Zusammenleben verschiedener Menschen alle, wenn auch auf unterschiedliche Weise, gefordert sind: Politiker, die Lehrer an den Schulen, die Erzieher in den Kindergärten, Polizeibeamte, kirchliche Repräsentanten und Sozialarbeiter, Mitglieder von Vereinen sowie besonders alle Nachbarn vor Ort.

Neubürger sollten sich integrieren

Zur Integration gehört, die deutsche Sprache zu lernen, die freiheitlich demokratische Grundordnung anzuerkennen und die „westliche“ Lebensweise vielleicht nicht toll zu finden, aber doch zu tolerieren. Deutsche (auch solche mit Migrationshintergrund) wiederum tun gut daran, Einwanderer mit Toleranz und Offenheit zu empfangen, gleichzeitig auch die hiesigen Werte zu vertreten. Die Willkommenskultur und das ehrenamtliche Engagement in vielen Dörfern und Städten während der so genannten „Flüchtlingskrise“ sind ein Beispiel, wie gut das funktionieren kann. Auch das Verhältnis zwischen schon lange in Deutschland lebenden Mitbürgern (wie den Kindern und Kindeskindern der türkischen „Gastarbeiterfamilien“) und neuen Bevölkerungsgruppen (wie zum Beispiel Flüchtlingen aus Syrien oder aus Afghanistan) muss mit gegenseitigem Respekt gestaltet werden.

Zusammenleben findet nicht in den Medien statt, sondern vor der Haustür

Unabhängig von der großen Politik und manchen Extremen gibt es im Alltag in Deutschland wahrscheinlich Millionen Fälle, in denen das Zusammenleben nicht nur ein Nebeneinander, sondern ein bereicherndes Miteinander ist. Dabei heißt Multikulti nicht, dass sich auf naive Weise „alle gerne mögen“ oder dass jeder alles darf. Aber es kann bedeuten, dass Menschen mit den unterschiedlichsten Nationalitäten, Hautfarben, Religionen und sozialen Verhaltensweisen friedlich zusammenleben. Dazu gehören gegenseitiger Respekt und das Befolgen gemeinsamer Grundregeln (unserer Gesetze und Verordnungen, auch zu so alltäglichen Themen wie Lautstärke in einem Mehrfamilienhaus…). Dazu gehört auch, möglichst unbefangen den Dialog zu suchen, selbst wenn die Neu- oder Mitbürger vielleicht noch nicht so gut Deutsch sprechen.

Pauschalisierung oder gar Vorurteile helfen da wenig

Wenn Sie in eine Gegend mit vielen ausländischen Mitbürgern oder Deutschen mit Migrationshintergrund ziehen, werden Sie schnell feststellen: 10 Deutsche, 10 Türken, 10 türkischstämmige Deutsche, 10 deutschstämmige Türken, 10 Tunesier, 10 Algerier, 10 Syrer, 10 Bosnier, 10 Rumänen, 10 Afghanen, 10 Schwarzafrikaner sind vielleicht durch ihren Kulturkreis und ihre Familien geprägt – aber es sind jeweils individuelle 10  Menschen. Die sind „mal nett, mal weniger nett“, mal fleißig, mal faul, einige gebildet, einige weniger gebildet und so weiter.

Aufeinander zugehen

Es steckt in vielen von uns Menschen drin, dass Neuem oder Fremdem häufig mit eingeschränktem Vertrauen oder auch diffusen Ängsten oder Vorurteilen begegnet wird. Das ist eine Eigenschaft, die unseren urzeitlichen Vorfahren „in der gefährlichen Wildnis“ vielleicht manchmal das Überleben sicherte. In einer modernen, internationalen und arbeitsteiligen Gesellschaft verhindern diese Verhaltensweisen aber oft, dass sich scheinbar fremde Menschen einander annähern. Dem können Sie leicht entgegenwirken: Durch einfache Begegnungen, zum Beispiel beim Einkaufen, beim Sport oder bei kulturellen Events im Stadtteil wächst das gegenseitige Verständnis für den anderen. Man muss nicht alles gut und richtig finden, kann den oder die anderen aber nach seinen Vorstellungen leben lassen, sofern niemand anderes zu Schaden kommt. Wer kein Miteinander möchte, kann durchaus auch gut „nebeneinander“ leben – vorausgesetzt, dass dieses Nebeneinander keine eiskalte, insgeheim ablehnende Nachbarschaft ist. Sondern eine Nachbarschaft, in der sich wenigstens gegrüßt und im Notfall auch geholfen wird.

Im Alltag in „Multikulti“-Stadtteilen tritt oft die ursprüngliche Herkunft der Menschen in den Hintergrund

In der Jugendfußballmannschaft geht es darum, wer gut spielt, und nicht, woher er oder sie kommen. Der türkische Friseur wird nicht nach seiner anatolischen Herkunft beurteilt, sondern danach, wie nett er ist und wie gut er Haare oder Bart schneidet. Und bei Nachbarschaftshilfe oder wenn es darum geht, durch Kriminalität bedrohten, kranken oder verunglückten Menschen zu helfen, machen die meisten Menschen keine Unterschiede.

Beim Kochen hingegen sollte jeder stolz zeigen, für welche Genüsse seine (frühere) Heimat steht

Denn ein deutsch-syrischer Kochabend in der Volkshochschule, ein marokkanisches Menü im Restaurant und das schon etablierte Dönerbistro, das griechische oder italienische Restaurant sind nur einige Beispiele dafür, wie internationales Flair das Zusammenleben bereichern kann.

In diesem Sinne – guten Appetit und auf gute Nachbarschaft!

 

Quelle der Fotos ist: © panthermedia.net / Rawpixel

Noch keine Kommentare bis jetzt.

Einen Kommentar schreiben

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.